Sawsan Cheblis Uhr – und die einzig richtige Art, eine Rolex zu tragen

Nachdem ja nun alle und jeder etwas zur Rolex-Angelegenheit der Berliner Staatssekretärin und, schlimmer noch!, SPD-Mitglied Sawsan Chebli geschrieben, gesagt und getweeft haben, fehlt natürlich noch die letztgültige Einschätzung von: uns.

Ein vier Jahre altes Foto der Politikerin war aufgetaucht, auf dem sie eine Rolex im mittelhohen vierstelligen Wert getragen hatte. Und während es in unserer, der dann doch gar nicht so luxuriösen Modebranche, Gang und Gäbe ist, sich Schmuck und Kleidung nur für ein Foto zu leihen, darf bei der Berufspolitikerin davon ausgegangen werden, dass es auch wirklich ihre ist.

Auf Twitter und Facebook empörten sich die üblichen Abgehängten und Gelangweilten, woraufhin Sawsan Chebli sich genötigt sah, einen galligen Kommentar zu schreiben:

„Wer von Euch Hatern hat mit 12 Geschwistern in 2 Zimmern gewohnt, auf dem Boden geschlafen&gegessen, am Wochenende Holz gehackt, weil Kohle zu teuer war? Wer musste Monate für Holzbuntstifte warten? Mir sagt keiner, was Armut ist. #Rolex

Hoppla!

Bei ZEIT Online erinnerte man sich an Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der einst für seine Zigarren und Brioni-Anzüge bekannt war, ansonsten aber übrigens gern Currywurst aß, und den Sawsan Chebli wenige Tage zuvor noch gewissermaßen und irgendwie schlüssig als Idol genannt hatte, sowie als Grund in die SPD eingetreten zu sein. Eher unscharf wurde es dann, als ZEIT Online die Rolex mit einem VW Golf verglich. 

Denn nach wie vor gilt eine Armbanduhr von Rolex als Markenzeichen Neureicher, als erste Investition vom eigenen Geld, als Symbol des Aufsteigers. Zugegeben: mehr FDP als SPD. Und mehr Mercedes AMG als VW Golf.

In der ansonsten doch eher belanglosen Serie „4 Blocks“ bekommt ein aus dem Knast entlassener Gangster-Junge von seinem Boss eine solche Uhr geschenkt, als Zeichen der Anerkennung. Und die sich mit Statussymbolen ausgesprochen gut auskennenden Rapper von der 187 Straßenbande werden nicht müde, mit ihren steinchenbesetzten Rollos anzugeben beziehungsweise sich schlicht darüber zu freuen, sie sich endlich leisten zu können.

Dass es als SPD-Politiker nicht in allen Situationen opportun ist, sich mit Statussymbolen zu brüsten, weiß man in der Partei sicherlich, seit Hans Eichel beim Verkünden der Hartz 4-Reformen eher zu enge Anzüge trug, und dadurch auch optisch zeigte, dass es eng werden würde – für ihn und die Partei wurde es dann ja auch, genauso wie für viele Langzeitarbeitsloe. Dass in einer sozialdemokratischen Partei, wie es der Journalist Paul Ronzheimer richtig schrieb, aber auch dringend solche Aufsteigergeschichten, wie die Cheblis, gezeigt werden müssen, ist ebenso richtig.

Letztlich gibt es ohnehin nur die eine richtige Art, eine Rolex angemessen zu tragen – und das ist, wie der Rapper GZUZ von der 187 Straßenbande: als küchenuhrgroße Tätowierung auf dem Rücken. Jawohl!

Ohnehin wäre der SPD zu wünschen, den volksnahen Aufsteiger GZUZ endlich in den Parteivorstand zu berufen. Den dann nötigen Brioni-Anzug würden wir springen lassen!

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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