OST BOYS

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via @ostboys

Es ist das dritte Video, scrollt man ein wenig nach unten, das auf ihrem YouTube Kanal angezeigt wird:

Gelber Rahmen, schwarz umrahmte weiße Schrift: „DER ERSTE-MAL BERG IN MARZAHN“ steht dort, in Großbuchstaben. Klick. 18 Minuten lang wird auf russisch geflucht, gehockt, geschrien, gespuckt, mit dem Rücken zur Kamera in den Busch gepinkelt.

Die OST BOYS – der eine mit weißer Kappe, Bauarbeiter-Weste mit „Fötzchen“ auf dem Rücken, der Andere: Socken in Adiletten, Nike-Shirt, Adidas-Kappe. „Slavik“ und „Wadik“, die nun ihr Leben in der Berliner Plattenbau-Hood Marzahn, zwischen Shisha-Bar, dem russischen Mix-Markt und Pfandflaschen bei Netto abgebend, als skurille, viel gesehen Reality-Show inszenieren. Mittlerweile schauen die OST BOYS über eine Viertel Millionen Menschen.

Sie spielen Basketball, im Hintergrund die dreckig gelben, hellblau angestrichenen Hochhäuser. Mit ihrer neuen, weißen E-Klasse Coupé fahren sie hindurch, durch ihr Viertel, ihre Stadt, zum genannten Berg, klettern hinauf. „Weil siehst du das, was hinter mir ist, das gleiche habe ich auch in meinem Herzen. Ich habe auch Beton in meinem Herzen.“

Sie „reden sagenhaften, manchmal fast philosophischen, immer charmanten, oft auch brutal unsinnigen und verblödeten Kram“ schreibt Moritz von Uslar über die beiden Männer im Feuilleton der ZEIT. Nicht nur die, sondern auch die Süddeutsche Zeitung berichtet über die zwei Jahre alte Serie von Slavik und Wadik, die eigentlich Mark und Dimitrij heißen. Der eine studierte Darstellende Musik und Kunst, der andere Regie.

In den Mainstream schafften sie es, durch die noch wenig überzeugende Late Night Sendung von Klaas Heufer Umlauf. Die Story: Klaas besucht die Zwei in ihren Kulissen: Ein-Zimmer-Wohnung im Plattenbau, in der Küche lagert der Rollator der Oma, deren Wohnung zu klein ist. Die Schuhe des Kameramanns werden während des Drehs geklaut. Der eine sorgt sich um sein Visum, das im September ausläuft, der andere hat in 20 Minuten einen Skype-Tesrmin mit dem Arbeitsamt. „Die machen jetzt auf Digitalisierung.“ Sie wollen ins Fernsehen, auf Pro7, da wo Klaas jetzt ist. Der soll ihnen jetzt eine Sparte einräumen. Und die kriegen sie auch. Erster Teil: „ Business mit den Ost-Boys Teil 1“, Zweiter Teil: „Buisness mit den Ost Boys Teil 2.“

Gibt man die „Ostboys“ bei Google ein, landet man recht schnell beim „Ost-Boys-Shop.“ Verkauft wird dort die „Fötzchen-Weste“, der „Asoziale Guide für Deutschland“, das „Ost Boys Mafia Shirt“ und der „Blyat Hoodie“ Für 50.000.000.00€ kann man außerdem die Marzahner Platte WBS 70 erstehen. Die beiden Jungs, zwei Schauspieler, mit vor der Brust baumelnder Gucci-Tasche und Rolex am Handgelenk, haben aus ihrem Leben zwischen den Platten, ihren eigenen Kult geschaffen. Lang leben OST BOYS!

Category: News

Tags: Late Night Berlin, Ostboys, Slavik, SZ, Wadik, zeit

Von: Carl Jakob Haupt

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