BERLIN KIDZ

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Sie sind radikal, absolut konsequent. Gern werden sie als systemkritisch bezeichnet. Die „Berlin Kidz“ sind eine Gruppe von Sprayern, Parcourläufern und Künstlern. 

Mithilfe von Seilen hangeln sie sich an Gebäuden entlang, sprayen so an schwer erreichbaren Stellen. Maskiert springen sie auf U-Bahnen, sind dabei auch mal nackt, filmen sich, teils hochprofessionell, mit Droheneinsatz, um die Video danach online zu stellen.

Gefährlich, bescheuert, kritisch, die Meinungen im Netz sind geteilt. Die Gruppe aus Kreuzberg, immer auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinkick, klettert meterhohe Wände entlang, hinterlässt gesprayte Botschaften. „Wir surfen und sprühen, um frei zu sein“ sagten sie im Gespräch mit dem rbb.

Schnell wird klar, dass es ihnen nicht um die Aufmerksamkeit des Einzelnen geht oder Kommerz. Die Gesichter sind verschwommen, die Personen bleiben unerkannt. Meist tragen sie Kapuzen, bleiben immer hinter ihrer Maske. Auch, um Strafanzeigen zu vermeiden. Ihre Aktionen sind illegal, von Bahn-Surfing bis zum Einbruch über das Sprayen selbst. Viel eher geht es der Gruppe darum, etwas zu hinterlassen, Nachrichten und Statements zu verbreiten. Oftmals an Spots, so schwer zu erreichen, dass ihr Leben risikieren. Der Garant für die Aufmerksamkeit: Das Extreme.

2013 erscheint die erste Dokumentation der Kreuzberger Gang „Berlin Kids 100% reines Adrenalin“ auf DVD. Gelauncht wird er im Kino Babylon, Berlin Mitte. 2017 erscheint der zweite Film. Anderthalb Stunden geht „Berlin Kids 2 – Fuck the System“.

Einer ihrer Markenzeichen: der Pixação-Style, eine Technik aus Brasilien. Dabei gehe es nicht nur darum, seinen Namen überall hinzuschreiben.  Viel mehr geht es darum Gefühle durch Form, Message und Sprüche auszudrücken .(taz) Diese Schriftzüge in rot und blau ziehen sich durch das Kreuzberger Stadtbild.  Blau, so die Jungs in einem Interview, sei die Freiheitsfarbe. Rot hingegen,  signalisiere das Blut, das Negative.

Mit „I am A Rider“ gelang ihnen einer ihrer bisher größten Coups. Die “Berlin Kidz” positionieren “Fahrradleichen” an Stellen, an denen sich die Öffentlichkeit nur wundern kann, wie sie dort hingekommen sind. So zum Beispiel auf dem Molecule Man, dem bekannten Kunstwerk in Treptow, mitten auf der Spree. „Wir bomben Stellen, die eigentlich unerreichbar erscheinen.“ erklärt Ikarus, Teil der Berlin Kidz, im Gespräch mit der taz.

032c benannte gleich eine ganze Ausgabe nach den Systembrechern: die „Berlin Kidz Issue“. Auch eine eigene Capsule Collection wurde veröffentlicht. Weiße T-Shirts mit der blau-rot-typischen Aufschrift „Berlin Kids“ darauf, einem Bild, wie einer der Kidz-Member das hundert-meter-hohe Postbank-Gebäude erklimmt und besprayt, ein Longlseeve mit der „Open Your Third Eye“-Grafik darauf.

Ihre Enttäuschung, die Wut gegen das System, den verhassten Kapitalismus, ertränkt im Suff, sondern schöpft daraus Kraft für Aktionen. Viele davon so radikal, dass selbst der Zuschauer schweißnass vor dem Laptop endet (tatsächlich keine Übertreibung bei aktuellen klimatischen Bedingungen).

Und setzen Statements wie „Liebe Kunst, hasse Drogen“ oder auch ganz einfach: „Frieden“. “Berlin Kidz” – wir verneigen uns, bis tief runter, zur Bordsteinkante.

Category: News

Tags: Berlin Kidz

Von: Carl Jakob Haupt

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