Ausblick auf 2018: Die GUCCI Modenschau in der Totenstadt

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Seit weit mehr als 1000 Jahren pilgern jährlich tausende Christen und solche die es gerne werden möchten entlang des Jakobswegs durch die pralle Sonne Spaniens. Ihr Ziel: Die Grabstätte in Santiago de Compostela. Beweggründe früher: Buße tun, hier und da ein kleines Wunder am Wegrand mitnehmen und vor allem Gott so nah wie möglich zu kommen.

Beweggründe heute: sich selbst kennenlernen, während einem 100km-Fußmarsch seine Grenzen kennenlernen, Entschleunigung, vom Drang loskommen, permanent erreichbar sein zu müssen. Eine Art selbst verschriebene Therapie. 2012 wurde die 2 Millionen Besucher-Marke geknackt.

Eine der Hauptrouten des Jakobswegs beginnt in einem kleinen, malerischen Städtchen in Südfrankreich. Die Gemeinde liegt 24km vom Mittelmeer entfernt, das Stadtbild ist geprägt von antiken Bauwerken. Unter anderem zählen Reiseführer und Touristen-Flyer die Totenstadt Alyscamps zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Im Mai kommenden Jahres wird die Stille, die bisher die heilige Stätte außerhalb der Stadtmauer von Arles prägte, durch auf Absatzschuhen durch die Hitze stöckelnde Influencer-Girls, durch abschätzige Blicke und Flüstern der VOGUE-Redakteure, durch umher schwirrende iPhones mit geöffneter Insta-Story und natürlich durch das Blitzlichtgewitter um Kendall & Co durchbrochen.

Denn der Erlöser der Modebranche, Alessandro Michele, Kreatividrektor von GUCCI lädt zum wiederholten Male zu einer “Resort Collection”-Modenschau ein. Erneut wurde beim Location-Scouting der Fokus auf die Kulisse des Laufstegs gelegt: besonders wichtig, besonders imposant und andersartig muss sie sein. Damit knüpft Michele an die vorhergehenden Jahre seiner Resort-Show Tradition an.

Im letzten Jahr lud er im Namen des italienischen Modehauses ebenfalls in eine heilige Stätte, die Westminster Abbey in London, ein, wo die Könige Englands gekrönt und irgendwann dann auch beigesetzt werden. Im Jahr darauf flog er das Modevolk nach Florenz ein. GUCCI präsentierte dort seine neueste Kollektion in den Uffizien, einem zwischen 1559 und 1581 errichteten Gebäudekomplex, in dem die vielleicht bedeutendste Kunstsammlung der Welt untergebracht ist.

Spannend ist der Ort der Show vor allem, weil der gefeierte Designer Michele nicht nur eine möglichst instagramtaugliche Kulisse für sein Modespektakel bevorzugt, sondern sich auch mit seinen gezeigten Entwürfen an diesen orientiert.

In der City of Westminster arbeitete er mit den gängigen Klischees der britischen Mode: dem schottischen Kilt, geschnürten Plateauschuhen, die auf die englische Punk-Bewegung verweisen und mit Drachen bestickten Strickpullovern. In Florenz wiederum zeigte er renenaissanceartige, lange, aufwendige Kleidern und blumenbestickte Anzüge.

Im kommenden Mai 2018 muss er dann wohl entsprechend der alten Grabstätte mit etwas weniger Farbe und Kitsch auskommen. Vielleicht sehen wir ja zum ersten Mal eine rein schwarze Kollektion vom Meister, angelehnt an die Trauerkleidung gläubiger Katholiken.

Category: News

Tags: Alessandro Michele, Arles, Gucci, Resort 2018, Resort Show

Von: Angelika Watta

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